Herzlich willkommen, Pfarrer Daum! Vielen Dank, Herr Kaplan Hassenforder!

Seit dem 1. September 2017 ist Pfarrer Thorsten Daum Pfarr-Administrator unserer Pfarrgemeinde. Seine feierliche Einführung war am Samstag, 9. September. Kaplan David Hassenforder bleibt als Pfarrvikar weiter bei uns.

Historisches

St. Nikolaus: Die Pfarre Spandau im Mittelalter

Die katholische Pfarrkirche von „Spandow“ war im Mittelalter die St.-Nikolai-Kirche. Sie ist dem heiligen Bischof Nikolaus von Myra  geweiht, dem Schutzpatron der Seefahrer, reisenden Händler und Kinder. Nikolaus-Patrozinien finden sich im Mittelalter häufig bei Gotteshäusern in Hafenstädten und Kaufmannsvierteln.

 

Eine möglicherweise aus Feldsteinen und Holz errichtete erste Kirche wurde um 1240 erstmals erwähnt, war aber sicher älter. Im Laufe des 14. Jahrhunderts war sie offenbar zu klein geworden. An der Stelle wurde ab etwa 1370 die heutige Nikolaikirche erbaut, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts fertiggestellt wurde.

 

Das Kirchenpatronat über St. Nikolai, das Recht zur Besetzung von Pfarrstellen mit einem Priester, war von den askanischen Markgrafen Johann I. von Brandenburg und Otto III. ''dem Frommen'' dem 1239 von ihnen gegründeten Benediktinerinnenkloster Spandau übertragen worden. Dieses Kloster lag außerhalb der Stadt, zwischen der heutigen Klosterstraße und der Havel in Höhe des Bahndammes.

 

Kurfürst Joachim II. von Brandenburg vollzog in der Nicolaikirche am 1. November 1539 seinen Übertritt zum evangelischen Bekenntnis. Auch Pfarrer und Gemeinde wurden evangelisch. Die Nikolaikirche ist seitdem evangelische Pfarrkirche. Das Benediktinerinnenkloster wurde 1558 aufgelöst, und es gab in Spandau keine Katholiken mehr.

 

Nach der Reformation: Die Marienkirchen

Die Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde nach der Reformation begann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Katholische Arbeiter der Spandauer Gewehrfabrik – mit Familienangehörigen etwa 200 Personen –, die in der belgischen Stadt Lüttich angeworben wurden, forderten freie Religionsausübung an ihrem neuen Wirkungsort. Diese wurde ihnen durch königlich-preußisches Dekret von 1722 zugesichert, verbunden mit einer Pfarrstelle, die vorübergehend ein belgischer Dominikaner, P. Cottar, innehatte. Ein erster einfacher Kirchbau in Fachwerkbauweise entstand 1723 auf dem „Gewehrplan“ außerhalb der Stadt, östlich der Zitadelle. Er war den Aposteln Petrus und Paulus geweiht, die Priester waren Dominikanerpatres aus Halberstadt. Bereits 1767 wurde wegen Baufälligkeit eine neue Kirche gebaut, die aber ebenfalls nicht groß und dauerhaft war

 

Nachdem durch die in Spandau ansässige Garnison vermehrt katholische Soldaten zuzogen, wurde 1847/1848 mit St. Marien am Behnitz eine größere Kirche innerhalb der Stadtmauern, zwischen der Zitadelle und der Altstadt, errichtet. Das Patrozinium dieser Marien-Kirche erinnert an das aufgelöste Benediktinerinnenkloster St. Marien. Die Gemeinde umfasste damals etwa 1000 Personen, 1865 waren es bereits 1700.

 

Im 19. Jahrhundert, von 1817 bis 1874, war Spandau einmal im Jahr Ziel einer Wallfahrt der Berliner Katholiken. Am Sonntag nach Fronleichnam pilgerten sie von Berlin, später von Moabit aus durch die Jungfernheide nach Spandau. Bereits in den 1820er-Jahren sollen es mehr als tausend Gläubige gewesen sein. Die Bevölkerung Berlins und auch der katholische Bevölkerungsanteil stieg seit den 1850er-Jahren an, und auch die Zahl der Wallfahrer erhöhte sich auf mehrere Tausend (1869: 10000 bis 12000), zumal nun Schützenfest und Fronleichnamsfeier zeitlich zusammenfielen. Nach dem Bau der Bahnstrecke verkehrten Extrazüge, um Wallfahrer und Schützenfestbesucher nach Berlin zurückzubringen. 1875 verbot die preußische Polizei jedoch die „von der katholischen Geistlichkeit angeordnete Prozession“, da man in ihr „ein neues Reizmittel auf öffentlichen Straßen inmitten einer protestantischen Bevölkerung“ sah.

 

Um 1900 lebten rund 9000 Katholiken in Spandau, die Gemeinde war vor allem infolge der Industrialisierung durch Zuwanderung aus den katholischen preußischen Ostprovinzen erheblich angewachsen. Die Kirche am Behnitz war für  750 Gemeindemitglieder zur Zeit ihrer Erbauung ausreichend, war aber jetzt zu klein geworden. Deshalb wurde eine größere Kirche gebaut – an anderer Stelle, weil denkmalpflegerische Überlegungen und der moorige Untergrund den Abriss und einen größeren Neubau am alten Platz nicht zuließen. Am 30. Oktober 1910 konnte der Fürstbischof von Breslau, Georg Kardinal von Kopp, zu dessen Erzbistum Spandau damals gehörte, die Weihe der heutigen Pfarrkirche, Maria, Hilfe der Christen, vornehmen.

 

Die Zahl der Katholiken in Spandau wächst ‑ St. Marien als „Mutterkirche“

Mit steigenden Zahlen von Katholiken wurden in den 1920er-Jahren weitere Seelsorgestellen eingerichtet und im Laufe der Zeit als selbstständige Pfarreien ausgegliedert: in Siemensstadt (1919), Staaken, Döberitz und 1928 in Hakenfelde.

 

Im Ortsteil Hakenfelde entstand 1928 ‑ als Ersatz für eine baufällig gewordene Vorgängereinrichtung in Spandau ‑ auf Initiative von Pfarrer Viktor Schiwy ein Wohnheim für berufstätige Mädchen, das Elisabethheim in der Waldsiedlung, das bald in ein Seniorenwohnheim umgewandelt wurde. Seine Hauskapelle mit 120 Plätzen diente den Katholiken in Hakenfelde als Gottesdienststelle und war eine Filialkirche von St. Marien.

 

Das Gemeindeleben erstarkte, und 1953 wurde die „Kuratie St. Elisabeth“ errichtet, die Gemeinde wurde seelsorglich selbstständig. Erster Kurat war Karl Ernst Kuhn. 1962 erwarb die St.-Marien-Gemeinde ein zentraler liegendes Grundstück in der Cautiusstraße. Hier erfolgte am 16. Oktober 1974 die Grundsteinlegung zu einem Gemeindezentrum mit Gottesdienstraum, entworfen von dem Architekten Günter Maiwald. Am 31. August 1975 wurde der Altar von Kardinal Alfred Bengsch geweiht. Am 1. Juli 1975 war die Kuratie St. Elisabeth bei gleichzeitiger Namensänderung zur selbstständigen Pfarrei St. Lambertus erhoben und von St. Marien abgetrennt worden. Als Pfarrpatron wurde St. Lambertus von Lüttich gewählt in Erinnerung an die Arbeiter, die um 1723 aus Lüttich für die Gewehrfabrik in Spandau angeworben worden waren und denen der preußische König die katholische Seelsorge am neuen Wohnort zugesichert hatte.

 

In den Jahren 1993/94 erwog das Erzbistum Berlin im Zusammenhang mit der Entwicklung des Neubaugebietes Wasserstadt Oberhavel den Bau einer neuen Kirche mit Pfarrhaus und Kindertagesstätte im Bereich Maselakepark und alternativ am bisherigen Standort in der Cautiusstraße, da mit verstärktem Zuzug von Katholiken gerechnet wurde. Die Pläne wurden dann aber nicht weiterverfolgt. Die Zahl der sonntäglichen Kirchenbesucher in St. Lambertus betrug 1995 im Durchschnitt 250 Personen.

 

Am 31. Oktober 2003 fusionierte die Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen aus finanziellen Überlegungen auf Seiten des Erzbistums Berlin wieder mit der Nachbarpfarrei St. Lambertus (Hakenfelde). Die fusionierte Pfarrei trägt den Titel ''Katholische Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen''. Seit 2003 finden auch wieder Gottesdienste in der Kirche St. Marien am Behnitz statt, die inzwischen in privater Hand ist.

 

Pfarrer in Spandau nach der Reformation

  • 1723–1759: Bernhardinus Hunkemüller OP (Dominikaner (OP))
  • Ende 1759: Engelbertus Giesecke OP
  • 1760: Meinradus Meichlbek OP
  • 1760–Ende 1761: Ludovicus Härzkirchen (?) OP
  • 1762–1767: Norbertus Bockell OP
  • 1768–1775: Franz Biesenbach OP
  • 1775–1825: Franz/Joseph Groß OP (* 1. März 1759; † 4. April 1825)
  • 1825–Ende 1832: Franz Schaar aus Schlesien
  • 1833–Ende September 1840: Joseph Jünger (* in Potsdam)
  • 1844-1849: Franz Xaver Teuber (* 1811 zu Wahlstatt in Schlesien; † in Münsterberg)
  • 1849-1851: Dr. theol. Theodor Warnatsch (* 1820 in Wittichenau; † 1894 in Breslau), danach Pfarrer der Heilig-Kreuz-Kirche in Frankfurt an der Oder und Glogau, fürstbischöflicher Kommissar und Prälat
  • 1851-1872: Pfarrer Hanel (Erzrpiester und Kreis-Schulinspektor)
  • 1872-1882: Pfarrer Thomas († in Münster), zum Stadtrat gewählt, 1896 nach Münster gezogen
  • 1882-1890: Pfarrer Ginella
  • 1890–1914: Paul Kirmes (* 12. April 1860 in Ottmachau; † 18. Dezember 1920 in Zobten am Berge), Geistlicher Rat,  Priesterweihe am 27. Juni 1885 in Breslau
  • 1914–1932: Viktor Schiwy (* 20. April 1876 in Beuthen; † 1. Februar 1932 in Tempelhof), Geistlicher Rat, Priesterweihe am 22. Juni 1901 in Breslau
  • 1932–1960: Willy Nawrot (* 26. November 1884 in Breslau; † 21. Juni 1960 in Berlin), Geistlicher Rat, Priesterweihe am 17. Juni 1909 in Breslau
  • 1960–1982: Friedrichkarl Förster (* 8. März 1912 in Essen; † 2. Februar 1992 in Burgkunstadt), Pfarrer, Priesterweihe am 27. März 1938 in Berlin
  • 1982–2000: Ulrich Weidel (* 10. Januar 1932 in Berlin; † 20. Januar 2014 in Berlin), Pfarrer, Priesterweihe am 29. Juni 1958 in Berlin
  • 2000-2017: Matthias Mücke (* 9. Februar 1955 in Mahlow), Pfarrer, Priesterweihe am 27. Juni 1981 in Berlin, seit 1994 Pfarrer von St. Lambertus (Hakenfelde), seit 2000 zusätzlich auch von Maria, Hilfe der Christen, seit 2003 Pfarrer der fusionierten Pfarrei Maria, Hilfe der Christen, + 28. April 2017 in Berlin

Pfarrer von St. Lambertus

  • 1953 - ?: Karl Ernst Kuhn, Kurat (St. Elisabeth), † 1961
  •  ? - 1971: Franz Busch, Kurat
  • 1971-1973: vakant, mitbetreut von Friedrichkarl Förster (St. Marien), * 3. März 1912 in Essen, Priesterweihe am 27. März 1938 in Berlin, † 2. Februar 1992 in Burgkunstadt (Oberfranken)
  • 1973-1982: Dieter Wortmann, * 18. März 1938 in Wanne-Eickel, Priesterweihe am 22. Dezember 1963 in Berlin, Kurat (St. Elisabeth), ab 1975 Pfarrer (St. Lambertus), + März 2017
  • 1982-1983: Rudolf Giele, * 1913, † 19. Dezember 1984, Pfarradministrator
  • 1983-1990: Jürgen Wilfert, * 10. Mai 1940 in Leipzig, Priesterweihe am 15. März 1975 in Berlin, Pfarrer, † 25. Juni 1999 in Hohburg (Sachsen)
  • Mai 1990: Msgr. Michael Töpel, Pfarradministrator
  • Mai-September 1990: Dekan Horst Bien, Pfarradministrator
  • 1990-1994: Peter Jürgen Wöller, * 1936, Priesterweihe 1989, Pfarrer
  • 1994-2003: Matthias Mücke, * 9. Februar 1955 in Mahlow, Priesterweihe am 27. Juni 1981 in Berlin, Pfarrer (seit 2000 auch Pfarrer von St. Maria, Hilfe der Christen, seit 2003 Pfarrer der fusionierten Pfarrei Maria, Hilfe der Christen), + 28. April 2017 in Berlin

Quelle: Wikipedia

Literatur

  • Friedrichkarl Förster: 250 Jahre Katholische Kirche in Spandau. Berlin 20 (Spandau) 1973.
  • Arne Hengsbach: Die Hauptstadt und die Havelstadt. Berlin und Spandau in ihren wechselseitigen Beziehungen. In: Verein für die Geschichte Berlins e.V.: Die Geschichte Berlins, http://www.diegeschichteberlins.de/geschichteberlins/berlin-abc/stichworteot/635-spandau.html.
  • Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Maria, Hilfe der Christen Berlin-Spandau 1910-2010. oO, oJ (2010), darin Beiträge von Martin Recker. (Geschichte), Felix Lukanek (Zerstörung und Wiederaufbau)  und Christine Goetz (Architektur und Kunst); verantwortlich: Pfr. Matthias Mücke; Konzept und Redaktion: Lilo Heusler.
  • Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Marien zu Spandau. Spandau o.J. (1924).
  • Joachim Pohl: Das Benediktinernonnenkloster St. Marien zu Spandau und die kirchlichen Einrichtungen der Stadt Spandau im Mittelalter. Böhlau Verlag, Köln/ Weimar/ Wien 1996, ISBN 3-412-03496-7.
  • Gebhard Streicher, Erika Drave: Berlin Stadt und Kirche. Morus Verlag, Berlin 1980, ISBN 3-87554-189-8, S. 240f.
     



Stand: 26.06.2017 14:39