Der Name der neuen Pfarrei: Heilige Familie


Am 25. Februar haben die Mitglieder des Pastoralausschusses über den Namen der zukünftigen Pfarrei abgestimmt und sich dabei mehrheitlich für das Patronat „Heilige Familie“ entschieden. Dieser Name wird nun dem Erzbischof zur Entscheidung vorgelegt.

 

Woher kommt das Patronat?

Die Heilige Familie ist jedem aus Darstellungen der Weihnachtskrippe bekannt. Als Typus in der christlichen Kunst sind es aber vor allem die Darstellungen der Flucht nach Ägypten oder aus dem Alltagsleben von Maria, Josef und dem Jesuskind, die man als „Heilige Familie“ bezeichnet. Hinzu kommt die seit dem Mittelalter bekannte und in der Zeit der Gegenreformation weiter verbreitete Darstellung des „Heiligen Wandels“ oder der „Rückkehr aus Ägypten“: Die heilige Familie wird gehend (wandelnd) dargestellt mit dem Jesusknaben zwischen seinen Eltern bzw. von ihnen an der Hand geführt. Solche Andachtsbilder fanden große Verbreitung, symbolisierten sie doch den Lebensweg, der in christlicher Lebensführung und im Gehorsam gegenüber den Eltern und Gott geführt werden soll. Zu dieser Zeit beginnt dann auch die offizielle liturgische Verehrung der Heiligen Familie, die zuvor vor allem regional und in Ordensgemeinschaften stattfand. Heute feiert die Kirche das Fest der Heiligen Familie am Sonntag nach Weihnachten - in diesem Jahr ist es der zweite Weihnachtstag, der 26. Dezember.

 

Was verbindet man mit diesem Patronat?

Der Name der neuen Pfarrei soll Programm sein und deshalb ist auch das Patronat „Heilige Familie“ weit mehr als ein Wortspiel aus dem Zusammenschluss der dann ehemaligen Pfarreien St. Marien und St. Joseph, zumal die Pfarrei St. Konrad dabei gar nicht vorkäme. Im Tagesgebet des zukünftigen Patronatsfestes heißt es:
 
„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Gib unseren Familien die Gnade, dass auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben und einander in der Liebe verbunden bleiben. Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.“
 
Gott ist Mensch geworden - nicht im luftleeren Raum, sondern in einer menschlichen Familie. Wenn die Heilige Familie also für unsere Familien „ein leuchtendes Vorbild“ sein soll, ist dies auch ein klares Statement gegen die gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen des christlichen Familienbildes. Während für den modernen Menschen Ehe und Familie immer mehr ein bloßes sozio-kulturelles Konstrukt werden, hält die Kirche am göttlichen Konzept der „Menschwerdung“ fest: Mann und Frau schenken Kindern das Leben. Mehr noch: Die Ehe zwischen Christen ist zu einem Sakrament erhoben und die christliche Familie ist von Gott geheiligt, denn sie ist, wie es im Katechismus heißt,,,Abbild der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes im Heiligen Geist‘‘ (KK 2025).

 

Was hat das Patronat mit uns zu tun?

Wie passt das Patronat der Heiligen Familie nun zu unserer neuen Pfarrei, die wir zum 01.01.2023 gründen wollen? Natürlich geschieht bei uns in St. Marien schon einiges, das dem inhaltlichen Anspruch des Schutzes und der Förderung der Familie gerecht wird, z.B.:

 

  • Die Kolpingsfamilie sieht sich gemäß ihres Leitbilds als „Anwalt für Familie“, also für die Gemeinschaft von „Frau und Mann und ihren Kindern“, und setzt sich deshalb für den im Grundgesetz verankerten Schutz von Ehe und Familie ein. Im Leitbild heißt es unter anderem: „Nach unserem Verständnis ist die vor Gott und den Menschen geschlossene Ehe die beste Voraussetzung für das Gelingen von Familie“ (Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland, 2000)
     
  • Die Beratungsstellen der Caritas, die sich unweit unserer Pfarrkirche befinden, bieten vor allem in der Migrations- und der Jugend-Sucht-Beratung Hilfestellung für Familien. Herausragend ist die Kooperation der Suchtberatung mit der Kindertagesstätte, die in den vergangenen Jahren für suchtbelastete Familien bzw. für Kinder, deren Eltern süchtig sind, ganz neue Zukunftsperspektiven eröffnet hat.
     
  • Unsere Gemeinde bringt in ihrem Engagement für Junge und Alte, für Kinder, Jugendliche und Senioren die Generationen zusammen. Ob in den Kindergärten oder Seniorenheimen, in Familienkreisen oder bei der Sakramentenkatechese - immer wieder ist von einer „familiären Atmosphäre“ die Rede. Besonders deutlich wird dies, wenn die Kinder der Kita St. Marien sich auf den Weg machen, um den Bewohnern des St. Elisabeth Seniorenheims ein Lied zu singen. Oder wenn die Seniorengruppe von St. Marien zum Erntedankfest um Spenden für die Herbstfahrt der Pfarrjugend bittet.
     
  • Seit einigen Jahren findet in der Behnitzkirche am Morgen des „Marsches für das Leben“ eine Heilige Messe für die ungeborenen Kinder und für Frauen in Schwangerschaftskonflikten statt. Auch in unserer Gebetsgruppe wird z.B. bei den Anbetungsnächten besonders für den Schutz von Kindern im Mutterleib und für die Familien gebetet. Den Wert von Ehe und Familie, den Schutz des Lebens von seinem Beginn bis zu seinem natürlichen Ende bringen auch die Seelsorger immer wieder zur Sprache - gerade in der persönlichen Pastoral werden dabei auch die Sorge um Alleinerziehende sowie die Bewältigung von Ehekrisen und Familienkonflikten ein Thema.

 
Wie werden wir dem Patronat in Zukunft gerecht?

Natürlich dürfen wir als Pfarrgemeinde nicht bei dem stehenbleiben, was bei uns und in den anderen Pfarreien des Pastoralen Raums schon geschieht. Hier kann uns die zweite Lesung des Festes der Heiligen Familie eine Inspiration sein. Paulus spricht im Kolosserbrief die Devise aus: „Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.“ (Kol 3,16). Das zweite Vatikanische Konzil hat in der Konstitution Lumen gentium den alten Begriff der ecclesia domestica wieder aufgegriffen und die Familie als „Hauskirche“ bezeichnet (LG11). Es geht dem Konzil um eine Erneuerung der Familie als Keimzelle der Kirche, als kleinste Gemeinschaft kirchlichen Lebens. Und genau in diesem Sinne weist Paulus konkrete Merkmale christlichen Zusammenlebens auf, die für die Familie als Hauskirche genauso gelten wie für die Gemeinde als Pfarrfamilie: Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander. Ordnet euch gegenseitig unter und belehrt euch, aber schüchtert euch nicht ein und entmutigt euch nicht. Seid gehorsam, also hört aufeinander und auf Gott, seid milde, geduldig und gütig. Und: singt – lobet – Gott und dankt ihm durch Jesus euren Herrn. (vgl. Kol 3)

 

Konkret könnten wir noch mehr als bisher:

 

  • Familien stärken und in ihrem Alltag unterstützen;
  • das Gebetsleben der Familie als „Hauskirche“ fördern und Eltern darin stark machen, den Glauben im Familienleben an ihre Kinder weiterzugeben;
  • Position beziehen, wenn gesellschaftliche Entwicklungen dem christlichen Menschen- und Familienbild zuwiderlaufen;
  • verschiedene Generationen in unseren Gruppen und Kreisen zusammenbringen;
  • junge Menschen zur Ehe und zur Familiengründung ermutigen und darauf vorbereiten;
  • Menschen ohne Familie oder mit familiären Brüchen in den Blick nehmen;
  • uns als „Pfarrfamilie“ verstehen: mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen ihrer Mitglieder aber geeint durch den Lobpreis Gottes.

 

In diesem Sinne stimmt das neue Patronat doch hoffnungsvoll. In seiner Verwurzelung in der kirchlichen Tradition und im Verweis auf ein klares katholisches Profil auch in heutiger Zeit mag es herausfordernd sein. Doch mit der Gottesmutter Maria, dem heiligen Josef als Schutzherrn der Kirche und mit dem göttlichen Erlöser Jesus Christus selbst im Titel, darf sich unsere Pfarrei den Herausforderungen der Zukunft freudig und zuversichtlich stellen!

 

Pfarrvikar David Hassenforder
 

 




Stand: 02.04.2021 16:49